Les lettres d'Henri
Die beiden hier gezeigten Exponate, der Brief und der Briefumschlag an den "Duc de Bevern" gehören zu den interessantesten und gleichzeitig geheimnisvollsten Stücken dieser Kabinettausstellung.
Prinz Heinrich pflegte eine rege Korrespondenz mit der Familie, mit Freunden aus dem In- und Ausland und mit Staatsmännern in Europa. Viele dieser Briefe und Briefentwürfe sind verloren gegangen oder warten in verschiedenen Archiven oder privaten Sammlungen auf ihre Entdeckung. Der andere Teil befindet sich in Museen und anderen öffentlichen Sammlungen und steht der Öffentlichkeit und der Forschung zur Verfügung. Die Anzahl der erhaltenen Briefe lässt sich nicht genau beziffern. Möglicherweise sind einige tausend Briefe, vor allem an seinen Bruder Friedrich und andere Familienmitglieder, erhalten geblieben.
Transkription:
De Rheinsberg 11 May 1792
Monsieur, les sentiments de I’estime que vou m’avez inspirés peut garant de I’intérêt que je prends à votre personne, je partagères (partagerais) toujours le succès des évènements qui peuvent contribuer à votre satisfaction. Je vous prie compter estant (étant) avec toute I’amitié et d’estime
Monsieur votre tout à fait dévoué ami
Henri
Übersetzung:
Rheinsberg 11 Mai 1792
Herr, die Gefühle der Wertschätzung, die Sie mir entgegengebracht haben, bürgen für das Interesse, das ich an Ihrer Person habe. Ich werde immer am Erfolg von Ereignissen teilhaben, die zu Ihrer Zufriedenheit beitragen können. Ich bitte Sie, mit aller Freundschaft und Hochachtung zu rechnen.
Herr Ihr ganz ergebener (hingebungsvoller) Freund
Henri
Diesen Brief schrieb Prinz Heinrich am 11. Mai 1792 in seinem Schreibkabinett im Schloss Rheinsberg. Er besitzt keine direkte Anrede und der Adressat wird hier nur als „Herr“ bezeichnet. Einen Briefumschlag oder einen anderen Hinweis auf den Empfänger gibt es nicht. Auch der Inhalt des Schreibens gibt nur wenig Anhaltspunkte. Somit ist der Empfänger dieses Briefes bis heute unbekannt.
Prinz Heinrich hatte in Frankreich sehr viele gute Freunde, die er dort bei seinen beiden Reisen kennengelernt hatte. Dieser Brief stammt aus einer Privatsammlung in Frankreich und auch das Datum, Mai 1792, ist interessant. Frankreich befand sich zu dieser Zeit in der Revolution. Möglicherweise wird in dem Schreiben auf Ereignisse während der Revolution Bezug genommen. Die Schlussformel deutet auf einen sehr engen oder sehr intimen Freund hin.
Briefumschlag an den "Duc de Bevern"
Dieser Briefumschlag ist in zweierlei Hinsicht eine Rarität. Umschläge waren im 18. Jahrhundert noch sehr selten. Zu dieser Zeit wurden die Briefe überwiegend auf eine besondere Weise gefaltet und dann mit einem Siegel verschlossen. Briefumschläge, wie sie heute verwendet werden, gibt es erst seit dem 19. Jahrhundert.
Zum anderen ist der Briefumschlag rückseitig mit einem Siegel versehen. Bei diesem Siegel handelt es sich sehr wahrscheinlich um das Privatsiegel von Prinz Heinrich. Von Briefumschlägen dieser Art mit einem gut erhaltenen Privatsiegel sind nur sehr wenige erhalten geblieben.
Prinz Heinrich hat möglicherweise oft diese Art Umschläge verwendet. Darauf deuten die Spuren einer Faltung bei dem hier ausgestellten Brief hin. Zusammengefaltet würde er in diesen Umschlag passen.
Der Briefumschlag bzw. der enthaltene Brief, der sich leider nicht erhalten hat, war an den „Duc de Bevern in Stettin“ gerichtet. Der „Duc“ war August Wilhelm, Herzog von Braunschweig – Bevern. Der Herzog war von 1758 bis 1781 Gouverneur von Stettin.
Sein Name findet sich auch auf dem Obelisken im Park von Schloss Rheinsberg. Dieses Denkmal hatte Prinz Heinrich 1790 zu Ehren seines Bruders August Wilhelm von Preussen und weiteren Teilnehmern am Siebenjährigen Krieg errichten lassen.
August Wilhelm, Herzog von Braunschweig - Bevern; ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung; http://data.onb.at/rec/baa4925006