Schloss Rheinsberg
Der Vater von Friedrich und Heinrich, Friedrich Wilhelm I., erwarb 1734 das Schloss Rheinsberg für seinen Sohn Kronprinz Friedrich und Johann Gottfried Kemmeter wurde beauftragt, das Schloss umzubauen. Die Arbeiten waren 1736 so weit fortgeschritten, dass Kronprinz Friedrich und seine Frau das Schloss beziehen konnten. Bis zu seiner Thronbesteigung 1740 verlebte hier Kronprinz Friedrich nach eigener Aussage seine glücklichsten Jahre.
Im Juni 1744 schenkte Friedrich das Schloss Rheinsberg seinem Bruder Heinrich. Nach Heinrichs Hochzeit mit Wilhelmine von Hessen-Kassel 1752 erlaubte ihm König Friedrich, im Schloss mit eigenem Hofstaat zu wohnen. Hier hatte Heinrich Feste gefeiert, Freunde und Bekannte eingeladen, Theater gespielt und Opern aufgeführt. Schloss Rheinsberg wurde für Heinrich zum Musenhof und Rückzugsort für etwa 50 Jahre. Das Schloss Rheinsberg wird oft nur mit Kronprinz Friedrich in Verbindung gebracht, aber es ist das Schloss Heinrichs.
Das Leben des Prinzen in Rheinsberg
Dieser kleine Band beschreibt das Leben von Prinz Heinrich in Rheinsberg. Es gibt eine deutsche Ausgabe mit dem Titel:“ Schilderung des Privat-Lebens eines großen Prinzen; oder geheime Nachrichten von den Vergnügungen des Prinzen Heinrichs von Preussen zu Reinsberg“
Dort heisst es auf Seite 17:“ Der Prinz stehet alle Tage zu einer und eben derselben Stunde auf; ein einiger Kammerdiener hat das Recht, seinen Schlaf zu unterbrechen. Von sieben Uhr des Morgens bis gegen Mittag ist er gemeiniglich allein, und die Zeit wird ganz der Arbeit, den Betrachtungen, oder dem nöthigen Briefwechsel gewidmet, welchen er jederzeit selbst führet, indem er an dem bloß die unnützen und lästigen Briefe überlässet, denen die Großen immer ausgesetzt sind.“
Auf Seite 22:“ Er ist in seinen Mahlzeiten so einfach und mäßig, als genügsam und bescheiden in allem übrigen; seine Tafel ist weder verschwenderisch noch üppig, gewinnet aber dasjenige an Reiz, was sie an Pracht verlieret, und Freiheit, Freude und Munterkeit sind jederzeit die ersten Gerichte an der derselben.“
Aus dem Tagebuch des Grafen Lehndorff, 16. Juni 1753:
„Um 9 Uhr morgens lange ich in Rheinsberg an. Ich sehe den teuren Prinzen mit inniger Freude wieder, da ich aber immer seinetwegen unruhig bin, so kommt es mir vor, als finde ich an ihm nicht dieselbe gütige Miene, die ich früher an ihm kannte. Die Folge hat mir jedoch gezeigt, dass ich unrecht hatte. Wir speisen im Buberow, einem prächtigen Walde gegenüber dem Schloß und von diesem durch einen großen See getrennt. Man geht dahin beinahe immer am Wasser entlang, es ist ein himmlischer Spaziergang, der uns das angenehme Gefühl einflößt, das allein die Einsamkeit verleihen kann. Überhaupt ist das Leben, das man hier führt, entzückend. Man sieht nur zufriedene Gesichter, der Prinz überhäuft alle Welt mit Güte, die Prinzessin ist gnädig, die Damen sind liebenswürdig, kurz, es ist ein Ort, wo ich immer leben wollte. Musik, Spazierengehen und Lektüre bilden die Beschäftigung eines jeden. Es scheint mir selbst, dass die Mißgunst , die von der Umgebung der Großen untrennbar ist, hier nicht so unumschränkt herrscht wieder anderwärts. Der Prinz beschäftigt sich viel mit Malen; er hat alle Neigungen einer edlen Seele. Was ist er anbetungswürdig! Ich verbringe den ganzen Tag mit diesem reizenden Prinzen. Ich kenne nichts Glücklicheres als diejenigen, die ihm dienen.“
Das Schlosstheater
Rheinsberg“; etwa 1790; Koloriert; 24,6 x 33,4 cm
Schon 1763 gab es ein kleines Theater am östlichen Teil des Kavalierhauses. Das Theater und die Oper waren Heinrich's große Leidenschaft, er war Schauspieler, Regisseur und Intendant in einer Person.
Das Kavalierhaus von Schloss Rheinsberg wurde mehrfach erweitert und umgebaut. Die große Veränderung erfolgte 1774 durch den Bauintendanten Hennert. An der zum Grienericksee gelegenen Seite des Kavalierhauses wurde ein Theaterflügel angebaut. Hier fanden zwei- bis dreimal in der Woche Opern- und Theateraufführungen statt.
Die Oper "Alceste" von Christoph Willibald Gluck wurde 1787 aufgeführt. Das lässt sich auf dem Spielplan des Schlosstheaters Rheinsberg nachweisen.
Hier die Overtüre von Alceste
Gewandhausorchester Leipzig, Horst Förster